Das ist die Tornado Alley!

Tornado Alley USA – das musst du wissen

 

Tipp: Lies weiter, um ausführlich zu verstehen, was die Tornado Alley ist und wie du dort hin kommst!

Deshalb reise ich als Wetterfotograf in die Tornado Alley

Nirgendwo auf der Erde treten Tornados so häufig auf, wie im mittleren Westen der USA. Die Tornado Alley ist für mich als Storm Chaser heilige Erde. Mein Leben habe ich darauf ausgerichtet, jedes Jahr einige Wochen in der Tornado Alley auf die Jagd nach Tornados und Superzellen zu gehen. Doch wieso bietet speziell die Tornado Alley die besten Voraussetzungen für langlebige, starke Tornados, verglichen mit meiner Stormchasing-Heimat in Mitteleuropa?

Bastian Werner

Die Topographie von Mitteleuropa und der Tornado Alley im Vergleich

Die Tornado Alley von Europa und den USA im Vergleich

Die Topographie von Europa.

Auf der Nordhalbkugel herrscht die sogenannte Westdrift vor. Der Jetstream weht im Durchschnitt von West nach Ost, in Mitteleuropa kommt das Wetter mit seinen Tiefdruckgebieten zu etwa 70% aus dem Westen. Ein Tiefdruckgebiet besitzt eine kalte und eine warme Seite. Auf der kalten Seite wird kalte Luft aus nördlicheren Breitengraden nach Süden geführt, auf der warmen Seite entsprechend warme Luft von Süden nach Norden. Im Tiefdruckgebiet treffen diese beiden Luftmassen aufeinander und erzeugen Wetterfronten, starke Niederschläge und bei genügend Kontrast der beiden Luftmassen Gewitter. Diese Tiefdruckgebiete treten in den USA so gleichsam wie in Mitteleuropa auf.

Der große Unterschied von Tornado Alley und Mitteleuropa liegt in der Topographie, der Beschaffenheit der Erdoberfläche. In Mitteleuropa dominieren die Alpen, deren Hauptachse von West nach Ost verläuft. Diese trennen die beiden Klimazonen des gemäßigten mitteleuropäischen Klimas vom Mediterranen Klima wie ein Maurer ab.
In der Tornado Alley, oder besser gesagt knapp westlich dieser, befinden sich die Rocky Mountains. Diese Gebirgskette hat eine Nord-Süd Ausrichtung. Und hier liegt der Grund, für die häufigen Tornados in den USA.

Das Gelände der USA bestimmt die Tornado Alley

Die Topographie der Tornado Alley.

Entsteht ein Tiefdruckgebiet in Mitteleuropa, so wird das rasche heranführen von relativ warmer, feuchter Luft aus dem Mittelmeerraum durch die Alpen unterdrückt. Die Luft muss diese passieren. Dabei verliert diese an Feuchtigkeit und Energie durch Föhneffekte. Nur selten ist es daher so, dass eine warme Luftmasse auf dem richtigen Weg nach Mitteleuropa geführt wird, so dass sich Tornados herausbilden können.

In der Tornado Alley hingegen ist es flach. Die warme Luft kann ungehindert vom tropischen Golf von Mexiko nach Norden strömen. Zeitgleich kann die kalte Luft von Alaska und Kanada ungehindert nach Süden wandern. Tatsächlich wirken in diesem Fall die Rocky Mountains sogar unterstützend. Die Föhneffekte an den Rocky Mountains entziehen der kalten Luft noch weitere Energie und erhöhen sogar den Temperaturkontrast zur warmen Luft. Es ist erstaunlich, wie eine simple Ausrichtung einer Gebirgskette einen solch enormen Einfluss auf ein so großes Gebiet wie die Great Plains haben kann.

Das perfekte flache Land des mittleren Westens

Der beste Ort für Stormchaser ist die Tornado Alley

Die waldfreien, flachen Great Plains.

Mitteleuropa ist geprägt von Mittelgebirgen, die wie wir gelernt haben, einen enormen Einfluss auf das Wetter haben. Immer, wenn Luft einen Berg passieren muss, wird der Wind von seiner grundsätzlichen Strömung abgelenkt. In der Tornado Alley gibt es, bis auf wenige Orte mit Mittelgebirgen, nur absolut flaches Land. Es gibt daher keine Orographischen Einflussfaktoren, die den Wind von seiner eigentlichen Richtung ablenken würden. Genau dies braucht es, damit langlebige, starke Tornados entstehen können.

Tornados sind eine perfekte Synphonie warmer und kalter Luft. Es gibt viele Gewitterzellen, aber nur ein kleiner Anteil der Gewitterzellen kann sich zu einer Superzelle entwickeln und ein noch kleiner Anteil dieser produziert einen Tornado. Nur, wenn es ein perfektes Gleichgewicht der Windströmungen aus warmer und kalter Luft gibt, bildet sich der Tornado heraus. Gebirge würden den Wind ablenken und verhindern, dass sich eine solch perfekte Windströmung unter einer Superzelle einstellen kann.

Das Ansteigende Gelände der Tornado Alley

Am Golf von Mexico befindet man sich auf Höhe des Meeresspiegels, in Denver, mein Ausgangsflughafen für alle Reisen in die Tornado Alley, befindet man sich auf 1600m. Wenn warme Luft vom Golf von Mexico in den Great Plains nach Norden strömt, wird diese ganz allmählich in die Höhe gehoben, die Labilität nimmt zu und die Gefahr von Gewittern steigt.

Die kalte Luft aus den Rocky Mountains erlebt einen inversen Effekt. Diese startet in einer erhöhten Lage. Die kalte Luft hat das Bestreben sich relativ zur warmen Luft in eine niedrigere Höhe zu begeben, sie strömt nach unten und beschleunigt dadurch am Boden in Richtung Golf von Mexico. Hierdurch entstehen zwei entgegengesetzte Luftströmungen, welche die Windscherung zur Bildung von Tornados verursachen.

Fehlende Vegetation der Tornado Alley

Die Tornado Alley ist frei von Wäldern

Es gibt keine Wälder in der Tornado Alley

Zur Beobachtung eines Tornados ist es unablässlich eine freie Sicht auf die Horizontlinie zu haben, denn der ästhetischste Bereich ist der Berührpunkt mit der Erdoberfläche. Zudem ist es so, dass der Tornado nicht von der Wolke herab entsteht, sondern die Zirkulation am Boden beginnt und sich später der Trichter heraus formt.

In Mitteleuropa gibt es viel Wald, dieser versperrt im Vergleich zu den Great Plains die Sicht auf Tornados. Nicht nur, dass es weniger Tornados in Europa gibt, es ist auch viel schwieriger diese dann beobachten zu können.

Die Infrastruktur der Tornado Alley

Rechteckige Framstraßen der Great Plains.

Wenn ich in Mitteleuropa auf Jagd nach Superzellen und Tornados gehe, stehe ich vor der schwierigen Herausforderung des Straßennetzes. Gewitterzellen können variable Geschwindigkeiten erreichen. Wenn diese im unteren Bereich bei etwa 40km/h liegt, ist es problemlos, die Zelle über Landstraßen zu verfolgen. Ab 60km/h wird es schwierig und ab 80km/h unmöglich. Nur, wenn zufällig eine Schnellstraße genau der Zugrichtung der Gewitterzelle folgt, ist ein Verfolgen möglich. Dann kommt obendrauf noch der dichte Verkehr.

In den USA sind die Great Plains das Gebiet mit der geringsten Bevölkerungsdichte, bestehend aus Rinderfarmen und Ackerland. Die Landwirtschaft dort ist riesig. Zwischen den Feldern befinden sich gut ausgebaute Farmstraßen, wenn auch nicht immer befestigt in Form von Dirt Roads. Diese werden kaum befahren, sie bieten die perfekte Möglichkeit, um in der Tornado Alley die Superzellen zu verfolgen.

Die Stormhunters Fotoreise von Sturmjäger Bastian Werner

Komm mit in die Tornado Alley!

Tornadofoto eines Stormchasers in der Tornado Alley

Jage mit mir 14 Tage nach Superzellen und Tornados – Die Reise deines Lebens!

Die unendlichen Gewitter der Tornado Alley

Zwischen Texas und North Dakota gibt es von April bis Oktober eigentlich immer irgendwo Gewitter. Bis auf wenige Tage mit Hochdruck in diesem Zeitraum können dort immer Gewitterzellen fotografiert werden, wenn auch nicht Tornados. Es gibt eine Vielzahl interessanter Phänomene, die sich im Zuge von Gewittern in der Tornado Alley beobachten lassen.

Das flache Land der Tornado Alley bietet sehr gute Bedingungen zur Beobachtung von Blitzen. Diese lassen sich sogar bei kleineren, schwächeren Zellen besser beobachten. Diese besitzen häufig weniger Wokenstrukturen, die die Sicht auf die Blitze der Gewitterzelle unterdrücken.

Ein Regenbogen in der Tornado Alley

Auf der Rückseite der Gewitterzellen können sich bei tiefstehender Sonne wunderschöne Regenbögen herausbilden. Wenn die Wolkenstrukturen auf der Vorderseite der Gewitterzelle nicht mehr reizvoll sind, fahre ich mit den Teilnehmern meiner Tornado Alley Reisen auf die Rückseite der Gewitterzelle, Auch Regenbögen lassen sich jagen!

Ein ganz besonderes Phänomen, dass erst seit wenigen Jahren bekannt ist, sind Red Sprites. Dabei handelt es sich um Blitzentladungen, die von der Oberseite der Gewitterzelle in Richtung Ionosphäre stattfinden. Durch die geringe Bevölkerungsdichte der Tornado Alley gibt es dort nur eine geringe Lichtverschmutzung, dies unterstützt das Fotografieren der lichtschwachen, roten Leuchterscheinungen.

Bei großen Gewitterfronten bildet sich auf der Vorderseite eine sogenannte shelf cloud heraus. Diese Wolkenstruktur entsteht, wenn die kalte Luft aus dem Abwind der Gewitter nach vorne in die vor der Zelle lagernde Warmluft drückt.

Mothership supercell in der Tornado Alley

Einige der Superzellen können extreme Wolkenstrukturen herausbilden, die wir im Jargon der Stormchaser als „Mothership“ bezeichnen. Diese Strukturen entstehen, wenn die Superzelle von allen Seiten gleichzeitig die Luft in den Aufwindturm saugt.

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Bastian